Kann man Atome anfassen?

Ein Rastermikroskop-Dialog zwischen einem Forscher und einem Schüler


großes Poster


Forscher:

" ... mit dem Rastertunnelmikroskop (STM) ..." - STM = Scanning Tunneling Microscope


Schüler:

" ... mit dem LEGO-Probiermikroskop (LPM) ..." - LPM = LEGO Probe Microscope


Forscher:

Legt man eine geringe Spannung (mV bis 3 V) zwischen einer Materialprobe und einer sehr kleinen Metallspitze, die sich ganz nahe an der Probe befindet, an, so fließt ein winziger Tunnelstrom (pA bis nA; 1 pA ist 1/1000000000000 Ampère).

Der Tunnelstrom entsteht, da Elektronen die Energiebarriere zwischen Probe und Metallspitze mit einer - geringen - Wahrscheinlichkeit "untertunneln". Der Tunnelstrom I hängt dabei sehr stark vom Abstand d zwischen Probe und Metallspitze ab (exp(- 2 K d)).



Messprinzip eines Rastertunnelmikroskops

Animation


Tunnelspitze noch weit von der Oberfläche entfernt: Ferminiveaus legen die Auslösearbeit für Elektronen ins Vakuum fest.


Tunnelspitze ganz nah an der Oberfläche: Ferminiveaus sind nur noch um die angelegte Spannung verschoben. Elektronen untertunneln die Energiebarriere.


Schüler:

Lässt man das Licht eines Lichtsensors des LEGO®-MINDSTORMS™-Baukastens auf ein weißes Papier scheinen, so misst der Lichtsensor das zurückgeworfene Licht. Der Lichtstrom hängt dabei stark vom Abstand zwischen der Oberfläche und der Lichtsensorspitze ab.



Messprinzip mit dem Lichtsensor des LEGO®-MINDSTORMS™-Baukastens


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Aufbauend auf einer Entwicklung bei Prof. Dr. R. Möller, Universität Essen
www.exp.physik.uni-due.de/moeller/methoden/lego-probe-microscope.html


Forscher und Schüler:

Man kann die Spitze in festem Abstand über der Oberfläche schweben lassen, indem man den Tunnelstrom/Lichtstrom durch ständige kleine Auf- und Abwärtsbewegungen der Spitze konstant einregelt. Bewegt man nun die Spitze langsam über die Oberfläche der Probe, so folgt sie dem Oberflächenrelief, was über das Regelsignal registriert werden kann.

Mit einem systematischen Abrastern (Scannen) in x- und y-Richtung kann die Struktur der Oberfläche abgebildet werden.






Scannen einer Oberfläche: Die Höhe der Tunnelspitze wird auf verschiedene Weise bildlich dargestellt. Die untere Zeile zeigt schattierte Falschfarben-Darstellungen.
Quelle: IBM Almaden Research Center www.almaden.ibm.com/vis/stm/gallery.html


Schüler:

Und die Programmierung war eigentlich gar nicht so schwierig: Das Java-Programm auf dem RCX, der als Firmware "lejos" geladen hat, übersendet die Messwerte an den PC, der mit einem Java-Programm den Abstand von der Oberfläche durch die Grauschattierung darstellt.



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Scan eines 2x3-Noppensteins mit dem LPM. Der Noppendurchmesser beträgt 5 cm, ebenso der Abstand.


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Ausschnitt aus dem Java-Programm unter lejos, mit dem das linke Bild erstellt wurde. Ein Programmbeispiel ist am Ende der lejos-Installationsanweisung zu finden.


Forscher:

... ähm das Programm muss noch dokumentiert werden - und außerdem ist es eigentlich mein Betriebsgeheimnis …


Forscher nach Jahren:

Das Rastertunnelmikroskop hat die Oberflächenphysik vollkommen verändert.Es kann inzwischen an Luft, im Ultra-Hochvakuum oder auch fast am absoluten Nullpunkt betrieben werden. Die Abbildungen von Atomen, atomaren Kristallstufen, Molekülen sind heute Stand der Technik.

Zum Rastertunnelmikroskop haben sich viele Varianten hinzugesellt: Das Rasterkraftmikroskop, das Magnetkraftmikroskop, das Rasterrauschmikroskop, das scannende Lichtmikroskop (SNOM), ...

Es ist z. B. auch gelungen Eisenatome über eine Kupferoberfläche zu "ziehen" und im Kreis anzuordnen. In dem Kreis entsteht dann eine "sichtbare" Elektronenwelle ähnlich einer Wasserwelle nach einem Steinwurf.


Modernes Vier-Spitzen-Gerät der Fa. OMICRON NanoTechnology GmbH (www.omicron.de)


Tunnelmikroskop-Tisch (Omicron)


Probenkopf (Omicron)


Vier piezoelektrisch verstellbare Probenarme(Omicron)


Vier Probenspitzen auf einem Chip. (Omicron)

Abbildung von Kristallen, Atomen und Molekülstrukturen


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Wachstumsstufen einer Kupferoberfläche (IBM)


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Einzelatome einer Nickeloberfläche (IBM)


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Regelmäßige Molekülanordnung (Kupfer-Phthalocyanin-Moleküle auf einer Silberoberfläche; Quelle: R. Möller, Universität Essen, www.ilp.physik.uni-essen.de/moeller)

Nanotechnologie mit dem Rasterkraftmikroskop (AFM=Atomic Force Microscope)
Quelle: IBM Almaden Research Center www.almaden.ibm.com/vis/stm/gallery.html


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Entstehung des „Atom­atolls“. Das AFM bewegt die Fe-Atome auf einer Kupferoberfläche (IBM)


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Weitere Geometrien aus Eisenatomen auf Kupfer (IBM)


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Animation

Falschfarben-Atomatoll


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Falschfarben-Atomstation (IBM)



Schüler:

Au ja, auf zum Baggersee und in die Wellen!

... einiges später: Jetzt hat auch der Schüler ein Modell für ein Rasterkraftmikroskop aufgebaut, den LEGO-Atom-Roboter (LAR)



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LAR – LEGO-Atom-Roboter:
LEGO-Modell eines Rasterkraftmikroskops. Die Atome wurden mit Tischtennisbällen modelliert.


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Steuerprogramm für den LAR am PC. (Programmbeispiel)


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Computer-Aided-Design der Laufkatze des LARs.


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Tischtennisball-Muster, das vom LAR gelegt wurde.


Ansprechpartner: Prof. Dr. Michael Wülker (FHO.Roboter@fh-offenburg.de)                                    © Fachhochschule Offenburg 2004