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Die Themen vom Sonntag, 26. Oktober 2003, 22.55 Uhr in Sat.1


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3D-Diagnostik - Spektakuläre Reise ins Innere des Menschen
Wenn Erfindungen aus dem Kinderzimmer groß rauskommen...
Verbotene Qualzuchten - Haustiere mit Gendefekten


Wenn Erfindungen aus dem Kinderzimmer groß rauskommen...

Konstruktionsspielzeug bringt nicht nur Kinderaugen zum Leuchten. Auch immer mehr Erwachsene erliegen der Faszination der bunten Klötzchen. Sie tüfteln, sie forschen und bauen – und beweisen, dass mit Kinderspielzeug viel mehr anzufangen ist. So wurde mit den Plastikwürfelmännchen das Wunder von Bern nachgespielt. Und ein ehemaliger Roboter aus Spielzeugsteinen hat es sogar schon bis in den Weltraum geschafft. Und mancher der Hobbytüftler hofft sogar darauf, mit dem Baukasten irgendwann die Entdeckung seines Lebens und damit das ganz große Geld zu machen...

Originalton Herbert Zimmermann von 1954: „Der Abschlag bleibt bei Horst Eckel aus Kaiserslautern hängen, der zu seinem Clubkameraden Fritz Walter, von dort zu Rahn, und Tor, Tor für Deutschland.“

Vor 49 Jahren wunderte man sich in Bern.

Und heute feiert man das unvergessliche Spiel der deutschen Mannschaft mit Filmen - aus Kinderspielzeug. Die flinken Finger von Florian, Martin und Ingo – lassen das Wunder noch mal geschehen. In mühevoller Kleinarbeit haben die Offenburger Fachhochschüler einen kultverdächtigen Trickfilm produziert – dabei musste jede einzelne Szene gebaut und gefilmt werden.

Originalton Herbert Zimmermann von 1954: „Heute spielt Deutschlands stärkstes Aufgebot; Tor, Tor!!!!“

Martin Seibert, Student: „Knifflige Szenen sind immer die, wo große Bildausschnitte zu sehen sind, wo also Publikum drauf ist, wo viele Spieler zu sehen sind, weil man halt immer bemüht ist, dass man keinen vergisst, dass sich jeder realistisch bewegt, muss man sich merken, welchen Bewegungsablauf jedes Männchen gerade macht, dass es am Schluss realistisch und flüssig bleibt.“

Originalton Herbert Zimmermann von 1954: „Toni, Toni, du bist Gold wert!!“

Rund 2500 separate Einstellungen drehten die Studenten für den 10-Minuten-Film. Der Lohn: eine Eins vom Professor und eine Einladung zur Premierenfeier des aktuellen „großen“ Kinofilms.

Originalton Herbert Zimmermann von 1954: „Linksschuss von Rahn, Schäfer hat die Flanke nach innen geschlagen...“

Florian Plag, Trickfilmer: Wir haben bei Söhnke Wortmanns Premierenfeier ein paar Altstars getroffen, den Horst Eckel und den Ottmar Walter, und die waren begeistert.“

Etwas ernsthafter beschäftigt sich Florians Professor, Michael Wülker, mit den kleinen, bunten Steinen. Zusammen mit seinen Studenten konstruiert er daraus Roboter - lehrt sie damit das Programmieren. Praktisches Arbeiten statt trockener Theorie – das kommt bei den Hochschülern an, sogar an freien Tagen.

Prof. Michael Wülker, Fachhochschule Offenburg: „Ich habe es sonst nicht erlebt, dass die Studenten danach fragen, sonntags in die Hochschule kommen zu können. Eins ist ganz bestimmt, dass man auch Spaß haben kann.“

Und den Spaß haben sie, denn statt einer schriftlichen Prüfung am Semesterende lässt Wülker seine Studenten gegeneinander antreten – im Roboterwettbewerb. Anforderung im letzten Jahr: Hindernisse überwinden. Jetzt hat der Spielzeug-Professor den Wettbewerb erweitert: Auch Schüler sollen Roboter basteln. Spielerisch lernen. Pisa-Probleme wären passé, denn vielleicht sind das die genialen Erfinder von morgen.

Prof. Michael Wülker: „Man kann auch so komplexe Dinge mit Spaß sehr früh erlernen und ich habe immer wieder gestaunt, wie die Schüler das Programmieren so ganz nebenbei sehr schnell gelernt haben um dann wirklich das Ziel zu erreichen, zielgerichtetes Arbeiten, das lernen Schüler genau so wie Studierende später.“

Auch diesen Roboter hat ein Student gebaut - aus Spielzeugsteinen. Bastian Schwarzbach und Vater Konrad siegten mit ihm im Wettbewerb eines Forschungsprojektes der Raumfahrt. Auf der internationalen Raumstation wurde „Jitter“ im vergangenen Jahr getestet. Er soll losgelöste umherfliegende Teile wieder einsammeln. Vater und Sohn verfolgten den Einsatz vom Moskauer Kontrollzentrum aus – und: der Spielzeug-Jitter meisterte den All-Test problemlos. Vielleicht ist er die Vorstufe eines Roboters der Zukunft. Und auch dieser Mann baut auf und mit Kinderspielzeug – und er verdient Geld dabei. In der bayerischen Firma Staudinger entwickelt man kleine Simulationsmodelle aus dem Spielzeugbaukasten, wie diese neue Miniatur-Sortieranlage.

Thomas Kagerer, Werkstattleiter: „Das Modell kann man verwenden, um verschiedene Waren zu einer Lieferung zusammen zu stellen, eben zu kommissionieren, um daran eben das programmieren zu üben, an dem Modell, wie man so was in der Realität macht.“

Die Realität: ein großer computergesteuerter Industrieroboter und: ein Mini-Modell der Firma aus Bayern. Die Vorteile liegen auf der Hand. Viel kleiner und vor allem viel billiger als der große Bruder. Kein Wunder dass viele Ausbildungsbetriebe und Universitäten diese Möglichkeit ebenfalls für sich entdeckt haben. Zukünftigen Ingenieuren wird das Programmieren leicht gemacht. Denn das Üben an einer echten Anlage kostet viel zu viel Geld. Bevor zum Beispiel eine solche Paketsortiermaschine wirklich gebaut wird, lässt sie sich am kleinen Modell genau planen und berechnen.

Elisabeth Staudinger, Juniorchefin: „Der Kunde hat irgendeinen Wunsch, wie er irgendeine Anlage realisieren möchte, wir konstruieren mit ihm die Anlage und dann wird die gebaut, also im kleinen, und dann kann der Kunde sich das anschauen, ob das später realisiert werden kann.“

Auch Ingenieur Mathias Schifferdecker tüftelt seit seiner Kindheit. Zunächst nur aus Spaß, doch mit 19 entwickelte der Heidelberger aus Teilen eines Modellbaukastens diesen Zirkel. Der Clou daran: ein Lineal ist integriert. Er ließ sich´s patentieren und verkaufte es dann ins Ausland – für 12000 Mark.

Mathias Schifferdecker, Baukasten-Tüftler: „Das ganze wurde letztendlich von einer Schweizer Firma in einer kleinen Serie mit diesen Funktionseinheiten, nicht mit diesem Aussehen auf dem Markt umgesetzt und vertrieben.“

Und dann tüftelte er weiter. Konstruierte vor fünf Jahren im Einrichtungshaus seiner Eltern besonders flache Boxen, die trotz des eigenwilligen Aussehens einen guten Klang haben. Und weil er damals wieder knapp bei Kasse war, baute er den Prototypen kurzerhand aus Pappe und – Teilen aus dem Konstruktionsbaukasten. So einfach.

Matthias: “Würde man das individuell anfertigen lassen, aus anderen Materialien, würde das sehr teuer werden, und so kann man relativ realitätsnah so einen Prototypen aufbauen und entsprechend auch testen.”

Mit Spielzeug zum Erfolg. Immerhin fand Matthias Schifferdecker 25 Käufer für seine ausgefallenen Lautsprecher, Stückpreis damals: 6000 Mark. Ganz leer werden auch die Offenburger Studenten nicht ausgehen. In einigen Kinos läuft ihr „Spiel“ -Film im Vorprogramm. Und damit sind sie fast schon so berühmt wie die echten Helden von 1954 – aber eben nur fast. Denn wahre Wunder geschehen eigentlich nur einmal.

Originalton Herbert Zimmermann von 1954: „Er hat den Ball verloren, diesmal gegen Schäfer, Schäfer nach innen geflankt, abgewehrt, aus dem Hinterhalt müsste Rahn schießen, Rahn schießt, Tor, Tor, Tor, Tor, und Puskas, der Major, der großartige Spieler aus Budapest, hämmert die Fäuste auf den Boden, Aus, Aus, Aus, Aus.“


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