Studiengang Medien und Informationswesen
Physik
Mechanik (Dynamik der Drehbewegung)
Graue Linie
  • 2.5. Drehbewegung des starren Körpers
  • 2.5.1. Eigenschaften eines starren Körpers
  • 2.5.1.1. Definition
  • 2.5.1.2. Massenträgheitsmoment
  • 2.5.1.3. Hauptträgheitsachsen
  • 2.5.1.4. Steinerscher Satz
  • 2.5.2. Drehmoment
  • 2.5.2.1. Definition
  • 2.5.2.2. Dynamische Grundgleichung der Drehbewegung
  • 2.5.2.3. Statisches Gleichgewicht
  • 2.5.3. Arbeit und Leistung bei Drehbewegungen
  • 2.5.3.1. Arbeit
  • 2.5.3.2. Leistung
  • 2.5.4. Vergleich von Rotation und Translation
  • 2.5.5. Drehimpuls
  • 2.5.5.1. Drehimpuls eines Massenpunktes
  • 2.5.5.2. Zusammenhang zwischen Drehimpuls und Drehmoment
  • 2.5.5.4. Drehimpuls eines starren Körpers
  • 2.5.5.5. Drehimpulserhaltung
  • 2.5.5.6. Wirkung äußerer Drehmomente auf den Drehimpuls
  •  

    Drehbewegung des starren Körpers

    Wiederholung:

     

     

    • Kinematik: Kugel wird durch Radialbeschleunigung , die nur die Richtung des Geschwindigkeitsvektors ändert, auf der Kreisbahn gehalten.
    • Dynamik: Ursache für die Radialbeschleunigung ist die Zentripetalkraft mit dem Betrag . Sie greift an der Kugel an. Die Zentrifugalkraft ist die Gegenkraft

    ; sie greift (für den äußeren Beobachter) an der Hand an. Aber: Astronaut verspürt keine Kräfte, da die Zentrifugalkraft durch die Gravitationskraft aufgehoben wird ("Schwerelosigkeit").

    Eigenschaften eines starren Körpers

    Anfänglich Beschränkung auf "starre Körper" sinnvoll:

    Definition

    Einen starren Körper denken wir uns aus vielen einzelnen Massepunkten zusammengesetzt, die ihre Lage gegeneinander unverändert beibehalten, gleichgültig, welchen Einflüssen der Körper unterliegt.

    Begriff stellt sehr nützlich Fiktion dar.

    Massenträgheitsmoment

    Ziel: Berechnung der kinetischen Energie, die in der Drehbewegung um eine Achse des Körpers steckt.

    Vorgehen: Körper wird aus kleinen Massenelementen zusammengesetzt:

     

    Kinetische Energie eines Massenelements:

    Kinetische Energie des gesamten Körpers:

    Für die geradlinige Bewegung repräsentiert die Masse m in der Formel die "Trägheit". Die Größe J hat bei der Drehbewegung die gleiche Funktion (® Trägheitsmoment).

    Ein Körper aus N Massenelementen mit den Abständen von der Drehachse hat in bezug auf diese das Massenträgheitsmoment

    bzw. bei Zerlegung in beliebig kleine Massenelemente dm:

    Tabelle der Massenträgheitsmomente; bei der Angabe des Massenträgheitsmoments muß immer die Lage der Drehachse angegeben werden!

    Hauptträgheitsachsen

    Ein Körper besitzt in bezug auf eine bestimmte Achse sein größtes und in bezug auf eine andere Achse sein kleinstes Massenträgheitsmoment: Diese beiden Achsen stehen immer senkrecht aufeinander! Einschließlich der auf diesen beiden Achsen senkrecht stehenden dritten Drehachse nennt man sie Hauptträgheitsachsen, die zugehörigen Massenträgheitsmomente Hauptträgheitsmomente.

    Bei homogenen geometrischen Körpern sind dies gleichzeitig die Symmetrieachsen (Körperachsen).

    Diskussion: Styrodur-Quader - Welche Achse hat das größte, kleinste, mittlere Massenträgheitsmoment?

    Versuch: freie Rotation um Hauptträgheitsachsen (Holzblock mit Löchern)

    Die Rotation eines starren Körpers um eine beliebige Schwerpunktachse läßt sich als Überlagerung dreier gleichzeitiger, voneinander unabhängiger Rotationen um die drei Hauptträgheitsachsen darstellen. In bezug auf andere, senkrecht aufeinander stehende Achsen ist dies nicht möglich:

     

    Steinerscher Satz

    Weiterer Fall: Achse geht nicht durch den Schwerpunkt des starren Körpers.

     

    Gesamte kinetische Energie setzt sich aus zwei Anteilen zusammen:

    • Mit "Gelenk" bei S tritt nur die kinetische Energie der Drehbewegung um die Drehachse D auf:
    • Dreht der Körper mit, so dreht er sich bei einer Umdrehung um die Drehachse genau einmal um seine Schwerpunktsachse S:

    Steinerscher Satz: Das Gesamtmassenträgheitsmoment eines Körpers, der nicht um eine Schwerpunktachse gedreht wird, ist die Summe des Massenträgheitsmoments um die zur Drehachse parallele Schwerpunktsachse und des Massenträgheitsmoments der "Punktmasse" um die Drehachse:

     

    Beispiel: Styrodur-Quader mit Breite 0,145 m und Tiefe 0,09 m (Dicke 0,02 m). Wie groß ist das Massenträgheitsmoment, wenn man den Körper um die Ecke dreht, im Vergleich zum Massenträgheitsmoment um die Schwerpunktsachse?

    Massenträgheitsmoment um die Schwerpunktsachse x:

    Abstand der Drehachse von der Schwerpunktsachse (quadriert):

    Massenträgheitsmoment um die Drehachse x':

    Drehmoment

    Was sind Drehkräfte? Kräfte auf derselben Wirklinie verursachen keine Drehungen. Es ist eine "Hebelarm" notwendig, um Drehbewegungen zu bewirken.

     

     

    Definition

     

    : Kraft entlang der Achse wird durch die Lager aufgenommen (Längskraft).

    hat eine radiale Komponente , die durch die Lager aufgenommen wird (Querkraft), und eine tangentiale Komponente . Berechnung des Betrags: Man kann um so leichter ziehen, je weiter man außen zieht: Drehmoment = Hebelarm × Kraft.

    In Formeln:

    Vektor, der senkrecht auf der Drehebene steht (gemäß der "Rechtsschraubenregel")

     

    Das axiale Drehmoment ist das vektorielle Produkt aus Radiusvektor und der Kraft in der Drehebene:

     

    Dynamische Grundgleichung der Drehbewegung

    Windrad, Turbinenrad (als Beispiel eines starren Körpers): Drehbar gelagertes Rad mit Massenelementen, auf die durch die Ablenkung des Luftstroms eine tangentiale Kraft wirkt.

    Wirkung des Drehmoments: Rad erfährt eine Beschleunigung

     

     

    Berechnung des Drehmoments:

    Diese dynamische Grundgleichung der Drehbewegung kann auch vektoriell formuliert werden:

    Statisches Gleichgewicht

    Umgekehrte Formulierung der dynamischen Grundgleichung: Ist ein Körper im statischen Gleichgewicht (), so verschwindet die Vektorsumme aller Drehmomente und aller Kräfte auf den Schwerpunkt.

     

     

    Arbeit und Leistung bei Drehbewegungen

    Arbeit

     

    Berechnung der verrichteten Arbeit durch die Drehbewegung: bzw. bei zeitlich veränderlichem Drehmoment:

    Leistung

    Momentanleistung der Drehbewegung bei konstantem Drehmoment:

    entspricht "" bei der linearen Bewegung

    Unterschied zwischen Diesel- und Ottomotor:

    • Diesel: M groß und w klein
    • Benziner: M klein und w groß

    Vergleich von Rotation und Translation

    Drehimpuls

    Drehimpuls eines Massenpunktes

    Die oben stehende Tabelle zeigt, dass zum Bahnimpuls bisher kein korrespondierendes Konzept definiert wurde. Anhand der Analogie zwischen Masse und Massenträgheitsmoment bzw. Bahngeschwindigkeit und Winkelgeschwindigkeit würde man erwarten, dass die jeweils letztgenannten Größen eine Rolle spielen, also Drehimpuls ~ J × w .

    Verfolgt ein Beobachter ein mit konstanter Geschwindigkeit vorbeifliegendes Objekt, so muß er selbst eine Drehbewegung durchführen:

     

     

    In der zweiten "Momentaufnahme" (linke Bildhälfte) stellt der Beobachter eine momentane Winkelgeschwindigkeit und ein Massenträgheitsmoment von fest. Der Drehimpuls ist dann . Da nun ist, stellt sich heraus, dass der Drehimpuls als Vektorprodukt des Ortsvektors und des Bahnimpulses geschrieben werden kann:

    Die nachstehende Abbildung zeigt, wie der Drehimpuls für vorgegebenen Ortsvektor und Bahnimpuls gerichtet ist:

     

     

    Zusammenhang zwischen Drehimpuls und Drehmoment

    Zu der Beziehung gibt es für die Drehbewegung eine analoge Beziehung

    ,

    weil einerseits die Produktregel angewendet werden muß und andererseits das Vektorprodukt gleichgerichteter Größen verschwindet:

    Aus der Formel kann umgekehrt geschlossen werden, dass der Drehimpuls eines Körpers erhalten bleibt, sofern kein (äußeres) Drehmoment auf ihn wirkt.

    Drehimpuls eines starren Körpers

    An dem in der nachstehenden Abbildung gezeigten idealisierten starren Körper, der nur aus einer Masse m besteht, die durch masselose Stangen und die eingezeichneten Lager gehalten wird, kann der Drehimpuls durch eine zur Winkelgeschwindigkeit parallele und eine dazu senkrechte Komponente dargestellt werden:

     

     

    Dabei ändert ständig seine Richtung, während die von konstant bleibt. hat den Betrag .

    In dem gezeigten Fall sind der Drehimpuls und die Winkelgeschwindigkeit nicht parallel.

    Erst wenn man eine zweite Masse auf der anderen Seite der Drehachse hinzufügt, heben sich die zur Drehachse senkrechten Drehimpulsanteile auf und somit liegt der Drehimpuls parallel zur Winkelgeschwindigkeit.

    Es gilt also: Bei einem um die Symmetrieachse rotierenden (symmetrischen) starren Körper liegt der Drehimpulsvektor parallel zur Winkelgeschwindigkeit mit also gilt in diesem Fall . Man beachte, dass diese aus der Analogie zwischen Linear- und Rotationsbewegung naheliegende Drehimpulsdefinition nicht die allgemeine ist!

    Da die Hauptträgheitsachsen immer Symmetrieachsen darstellen, selbst wenn der Körper selbst nicht symmetrisch ist, kann man im allgemeinen Fall den Gesamtdrehimpuls des Körpers aus den Winkelgeschwindigkeitskomponenten entlang der Hauptträgheitsachsen berechnen:

    Drehimpulserhaltung

    Wirkt kein äußeres Drehmoment auf einen Körper, so gilt, d. h. der Gesamtdrehimpuls bleibt nach Betrag und Richtung erhalten.

    Versuch: kardanisch gelagerter Kreisel

    Versuch: Schlag auf kardanisch gelagerten Kreisel

    Ist hier der Drehimpuls erhalten? Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht die Verhältnisse in diesem Fall:

     

    Nach dem Schlag handelt es sich wieder um einen "freien" Kreisel, d. h. einen Kreisel ohne äußere Kraftwirkung.

    Der Gangpolkegel, der symmetrisch zur Figurenachse des Kreisels liegt rollt auf dem Rastpolkegel ab. Die Berührungslinie von Gang- und Rastpolkegel zeigt in Richtung der augenblicklichen Drehachse. Die Symmetrieachse des Rastpolkegels ist ortsfest. Der - erhaltene - Drehimpuls liegt in Richtung dieser Symmetrieachse des Rastpolkegels. Die Figurenachse bewegt sich auf einem Kegel, den man den Nutationskegel nennt.

    Die nächste Abbildung, die der vorhergehenden überlagert werden kann, zeigt, wie sich der Gesamtdrehimpuls aus Komponenten entlang der Hauptträgheitsachsen zusammensetzen lässt. Eine Hauptträgheitsachse liegt entlang der Figurenachse, die anderen senkrecht dazu.

     

     

    Versuch: Drehstuhlversuch mit Hanteln (Pirouette)

    Um den Drehimpuls konstant zu halten, muss sich bei abnehmenden Trägheitsmoment (durch Anziehen der Arme) die Winkelgeschwindigkeit entsprechend erhöhen.

    Versuch: Drehstuhlversuch mit rotierendem Kreisel (Fahrradrad)

    Bei waagrechtem Kreiseldrehimpuls müssen Stuhl und Prof einen Drehimpuls annehmen, so dass die Summe mit dem Kreiseldrehimpuls den ursprünglichen Drehimpuls ergeben. Dabei wird nur die zur Drehachse parallele Komponente des Professorendrehimpulses wirksam.

    Wird das Rad um 180° gedreht ist die Drehgeschwindigkeit maximal, da der Professorendrehimpuls antiparallel zum ursprünglichen Drehimpuls liegt.

     

    Wirkung äußerer Drehmomente auf den Drehimpuls

    Zur Vereinfachung der Diskussion werden die Fälle, dass das Drehmoment parallel bzw. senkrecht zum Drehimpuls des Körpers liegt unterschieden:

    :

    Der Betrag des Drehimpulses wird geändert. Das Bild zeigt die Situation, dass Drehmoment und Drehimpuls gleichgerichtet liegen. Hier nimmt der Drehimpuls um zu und die Scheibe dreht sich schneller.

     

    Sind Drehmoment und Drehimpuls entgegen gerichtet wird die Drehbewegung abgebremst.

     

    :

    Versuch: Kreisel am Faden

    Wirkt ein Drehmoment senkrecht zum Drehimpuls, so weicht dessen Spitze immer in Richtung des Drehmoments aus, der Körper "präzediert". Von oben dargestellt ergibt sich das folgende Bild:

     

     

    Die Präzessionsgeschwindigkeit lässt sich leicht berechnen:

    Graue Linie

    Prof. Dr. M. Wülker
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    Letzte Überarbeitung: 06-03-01